Bachelorarbeit: Mikroblogging als neue Kommunikationsform für soziale Bewegungen, NGO’s und Gewerkschaften

October 2nd, 2009

Aufgrund der Verfassung meiner Bachelorarbeit ist es auf diesem Blog etwas ruhiger zugegangen. Hier sind die Früchte meiner Arbeit ;)

Das Inhaltsverzeichis:

Einleitung 1

2 Mikroblogging als Kommunikationsform 3

2.1 Struktur von Mikroblogs 3

2.2 Fähigkeiten von Mikroblogs 4

2.3 Die Logik(en) von Mikroblogging 5

2.4 Mundpropaganda 2.0: Mikroblogging als Longtail vernetzter Mikroöffentlichkeiten 8

3 Mikroblogging-Dienste und -Systeme 10

3.1 Twitter.com – der populärste Mikrobloggingdienst 10

3.2 StatusNet und identi.ca – die freie Alternative 12

4 Anwendungsbeispiele von Mikroblogging 13

4.1 Gesellschaftliche Ereignisse 13

4.1.1 G20-Proteste in London 13

4.1.1.1 Hintergrund 13 4.1.1.2 Nutzung von Mikroblogs 13

4.1.1.3 Besonderheiten und Diskurse 15

4.1.2 Unruhen in Moldawien 2009 16

4.1.2.1 Hintergrund 16

4.1.2.2 Die Nutzung von Mikroblogs 16

4.1.2.3 Besonderheiten und Diskurse 17

4.1.3 Die Wahlen im Iran 19

4.1.3.1 Hintergrund 19

4.1.3.2 Nutzung von Mikroblogs 20

4.1.3.3 Diskurse und Besonderheiten 22

4.1.4 #hessmob09 und #antimob09 am 17.08.2009 24

4.1.4.1 Hintergrund 24 4.1.4.2 Nutzung von Mikroblogs 25

4.1.4.3 Diskurse und Besonderheiten 26

4.2 Systematisierung der Anwendungsgebiete 27

4.2.1 Schaffung von Öffentlichkeit 27

4.2.1.1 Bürgerjournalismus 27

4.2.1.1.1 Echtzeit-Berichterstattung 27

4.2.1.1.2 Gegenöffentlichkeit 28

4.2.1.1.3 Echtzeitsuche und Recherche 29

4.2.1.1.4 Wahlmonitoring 30

4.2.1.2 Monitoring von AktivistInnen 30

4.2.1.3 Mobilisierung 31

4.2.1.4 Social-Media-Kampagne 32

4.2.1.5 Presse und Öffentlichkeitsarbeit 32

4.2.2 Koordinierung von kollektiven Handlungen und Selbstorganisation 33

4.2.2.1 Humanitärer Bereich 34 4.2.2.2 Politischer Bereich 34

4.2.3 Crowdsourcing 35

4.2.3.1 Wissen 36

4.2.3.2 Fundraising 37

4.2.4 Feedbackkanal für Kampagnen, Organisationen und Veranstaltungen 38

4.2.5 Vernetzung 39

5 Risiken und Gefahren 40

5.1 Ausfall und Zensur 40

5.2 Propaganda und Desinformation 41

5.3 Verfolgung und Repression 43

5.4 Identitätsdiebstahl 45

5.5 Betrug und Kommerzialisierung 45

5.6 Strategisches Versagen 46

6 Die gesellschaftlichen Auswirkungen der Einführung von Mikroblogging 47

7 Perspektiven 50

7.1 Technisch 50

7.2 Emanzipatorisch 51

Hier ist die BA-Arbeit als PDF-Dokument: mikroblogging_soziale-bewegungen_ba-luthmann_cc

Creative Commons License
Mikroblogging als neue Kommunikationsform für soziale Bewegungen, NGO’s und Gewerkschaften von Timo Luthmann steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Hot micro-blogs for hot times

April 1st, 2009

G20-Summit

Here are a selection of micro-blogs who are reporting from the protest actions against the G20-Summit in London:

http://twitter.com/IMCUK : Indymedia UK, independent access to grassroots news alerts

http://twitter.com/ProtestWatch : Micro-blog from http://Protestwatch.org.uk

https://twitter.com/G20Meltdown : Micro-blog from http://www.g-20meltdown.org/

http://twitter.com/climatecamp : Micro-blog from the climate camp campain

http://twitter.com/ClimateCampLdn : Micro-blog from the climate camp London group

http://twitter.com/climateactivist : Micro-blog from Calvin Jones/London

http://twitter.com/g20journo : London based journalists

http://twitter.com/streets : News from the streets London UK

http://twitter.com/AuctionSaboteur : Micro-blog of http://www.auctionsaboteur.com/

http://twitter.com/RedPeppermag : Micro-blog of the http://www.redpepper.org.uk/ Reporting live from streets.

http://twitter.com/piper42 : Activist in the streets

http://twitter.com/lasthours :  Very ongoing informations from the streets of London by some activists of http://www.lasthours.org.uk/

http://twitter.com/ur32daurt : Very ongoing informations from the streets of London by an anarchist from http://underclassrising.net/

Hashtags for the tweets about protest actions in London: #g20, #climatecamp, #imcg20, #g20meltdown, #g20cc

NATO’s 60th birthday

Here are a selection of micro-blogs who are reporting from the protest actions against the Nato gathering in Strasbourg, Kehl and Baden-Baden:

http://mikro.mensch.coop/legalteamstrasbourg : Direct informations from the legal team in Strasbourg

http://mikro.mensch.coop/nonato und http://twitter.com/_NoNato: Direct informations from Strasbourg. Language: German

http://mikro.mensch.coop/aktionsnews und http://twitter.com/aktionsnews : News aggregator with news from the indymedia-ticker and all mircro-blogs. Hopefully the very ongoing. Language: Monstly in German, may be sometimes English too.

http://twitter.com/No_to_Nato: Micro-blog of the http://www.no-to-nato.org/ Campain. Language: French, German and English

http://twitter.com/no_nato : some german activists

http://twitter.com/chuipasla : a french activist from strasbourg

http://twitter.com/BlockNato : Micro-blog of the Block-Nato-Campain http://www.block-nato.org/ on 04.04. in Strasbourg. Language: German and English

Hashtags for the tweets about protest actions against the NATO: #nonato, #nato, #strasbourg, #kehl, #baden-baden, #blocknato, #OTAN09

The indymedia RSS-feed for NoNato-activities are

http://linksunten.indymedia.org/de/ticker/feed : confirmed news in German

http://linksunten.indymedia.org/de/rumour/feed : unconfirmed news in German

If somebody knows other good micro-blogs and important hashtags please make a comment!

Analyse von Mikroblogging-Aktivitäten bei der Gegenmobilisierung zum Naziaufmarsch am 14.02.2009 in Dresden

February 28th, 2009

Was ist in Dresden passiert?

Am 13.02. und 14.02.2009 versammelte sich mindestens 6000 Nazis in Dresden, um dort den Jahrestag und die Gedenkveranstaltungen zur Bombardierung Dresdens für ihre revanchistischen Zwecke zu instrumentalisieren. Dabei gab es eine breite Gegenmobilisierung um das bürgerliche Bündnis „geh denken“ mit 7500 TeilnehmerInnen und das autonome Bündnis „no paserán!“ mit 4000 Menschen auf den jeweiligen Demonstrationen. Umfassende Hintergrundinformationen, Links und Bilder zu den Geschehnissen gibt es auf indymedia und ein Pressespiegel auf geh denken.

Die Mikroblogging-Aktivitäten im Zusammenhang mit der Gegenmobilisierung in Dresden

In dieser Analyse werden nur die Mikroblognachrichten unter aktivistischen Gesichtspunkten am 14.02.2009 von den Gegenaktivitäten berücksichtigt. Davor wurde recht viel auch über Mikroblogs und insbesondere über Twitter mobilisiert und nach den Demonstrationen gab es viele reflektierende Posts, insbesondere als die Naziübergriffe bekannt wurden.

Nazis nutzen derzeit die öffentliche Kommunikationsform des Mikrobloggens im Gegensatz zur Zivilgesellschaft nicht. Ausnahmen bestätigen die Regel. Es ist mir nur ein Nazimikroblog bekannt, welches als Linkschleuder dient, jedoch auch nicht mobil mikroblogt und nicht über nennenswertes Netzwerk verfügt.

Der Aggregator-Account @aktionsnews

Der Account @aktionsnews hat die ganze Zeit während der Gegenaktivitäten sowie davor und danach Nachrichten aus verschiedenen Quellen gesammelt und bei den Mikroblogging-Plattformen twitter.com und mikro.mensch.coop veröffentlicht. Dabei waren die Account-BetreiberInnen nicht vor Ort, sondern es wurden das Aktionsradio coloRadio aus Dresden, der WAP-Ticker von gehdenken, sowie verschiedene Mikroblogs ausgewertet und mit Angabe der Quelle weiterveröffentlicht. Zur Auswertung der Mikroblogs wurde die Mikroblogsuchmaschine Twingly benutzt und nach verschiedensten Schlagwörtern permanent durchsucht. Dabei war die Trefferquote recht hoch. Lediglich ein paar lokale Mikroblognachrichten sind nicht erfasst worden, da sie keine Tags/Schlagwörter verwendet hatten. Interessant ist, das der Account von mehreren Menschen betrieben wurde, die sich in Schichten aufgeteilt hatten und alle über keine Mikroblogging-Erfahrung verfügten, jedoch recht schnell mit dem Medium umgehen konnten.

Der Account wurde lediglich 2 Tage vor den Aktionen eingerichtet und wurde fast nicht beworben. Ebenfalls war er nicht auf Indymedia verlinkt wie z.B. der Mikroblog zum Castortransport @castor08. Deswegen waren die AbonnentInnenzahlen bis zum Schluss recht bescheiden, obwohl der Account wohl der aktuellste Ticker von den Gegenaktivitäten war.

Die Mikroblogging-AktivistInnen – das organisierte KorrenspondentInnennetz

Es gab in Dresden nicht mehrere koordinierte MikrobloggerInnen, sondern nur einzelne Aktive. Dabei waren auch nur ein Teil der Menschen, die dezidiert von den Aktionen bloggen wollten erfolgreich. Dazu zählt z.B. @demoscout und @copista, wobei @copista auch zu den lokalen MikrobloggerInnen gezählt werden kann. Der Account @dresden09, welche dem no_paserán-Spektrum zugeordnen ist, und einzig zur dortigen Berichterstattung eingerichtet wurde, sendete direkt von den Aktionen nur 2 Kurznachrichten, wobei die letzte Nachricht von Kesselung durch die Polizei die Rede ist. Es sind nicht die genauen Gründe klar, warum sie nicht mehr Nachrichten geschrieben haben, nur soviel, dass sie technisch dazu in der Lage waren mobil zu bloggen und auch an Aktionen beteiligt waren. Laut der Erfahrungen von @demoscout ist Mikroblogging recht zeitaufwendig. Vielleicht wurde dies von @dresden09 unterschätzt. So berichtet der Mikroblogger @aprosdokese, das mangelnde Erfahrung im mobilen Mikrobloggen, die relativ langen Zugriffs- und Schreibzeiten in Kombination mit dem stressigen Umfeld ihn vom Mikrobloggen abgehalten habe.

Außerdem ist waren mindestens zwei JournalistInnen @dermarcus71 und @rakeeede vor Ort, die auch mit 3G-Handys ausgestattet waren und auch sonst mikrobloggen. Da sie nur eine bzw. keine Kurznachricht veröffentlicht haben denke ich, dass sie dies wegen ihrer journalistischen Tätigkeit nicht nebenbei umfangreicher tun konnten.

Generell sehe ich Mikroblogging als ein eigenes medienaktivistischen Tätigkeitsfeld vergleichbar mit den AktivistInnenbild der VideoaktivistIn an. Nebenbei läuft aktionsmäßig nichts, sondern Konzentration ist gefragt. Dies kann dann jedoch recht produktiv sein, wie der Account @demoscout beweist. Ziel muss es sein vorher für (größere) Demonstrationen und Aktionen ein verbindliches Netz von Mikroblogging-AktivistInnen zu organisieren, wodurch die Informationssituation für die anderen AktivistInnen wesentlich verbessert werden kann. Wichtig ist hier nicht unbedingt eine große Anzahl von MikrobloggerInnen, sondern Zuverlässigkeit und sinnvolle Koordinierung, z.B. das alle nicht von nur einem Punkt berichten, sondern sie geografisch schlau verteilt sind!

Die lokalen MikrobloggerInnen – das ad-hoc KorrenspondentInnennetz

Lokale Mikroblogger sind eine Größe! Von den mindestens 11 aktiven Vor-Ort-MikrobloggerInnen sind acht lokale gewesen, wie z.B. @woody_b, @elbflorenz, @copista, @h34d, @hergest, @beanieboi und @DonGomez. Die meisten verwertbaren Informationen kamen jedoch von Mikroblogging-AktivistInnen, aber ein Teil der Mikroblogginginformationen im Aggregatoraccount @aktionsnews kamen auch von lokalen MikrobloggerInnen. Interessant ist das sieben der acht lokalen MikrobloggerInnen ein iPhone benutzen. Auch haben die lokalen MikrobloggerInnen viele Fotos gemacht, die zwar Atmosphäre vermittelten, aber an sich nicht brauchbare Aktionsinfos waren.

Interessant ist es, wenn lokalen MikrobloggerInnen mit den mit den beiden gegensätzlichen Theorieansätzen einerseits der “pothole theory of digital activism” von Erik Hersman, das Ortsbezogenheit der Schlüssel zu Crisis Reporting ist und anderseits Ethan Zuckerman’s “cute cat theory of digital activism”, wonach Verfügbarkeit als Schlüsselfaktor zu sehen ist, analysiert werden. So lassen sich beide Theorien auf die lokalen MikrobloggerInnen in Dresden anwenden. Ihre große Zahl deutet auf die große Bedeutung der Ortsbezogenheit hin und deckt sich mit der Theorie von Hersman. Gleichzeitig verwendeten die lokalen MikrobloggerInnen alle die Mainstream-Plattform twitter.com und nicht die eher aktivistische Plattform mikro.mensch.coop, was sich wiederum mit der „cute cat“-Theorie von Zuckerman und der Bedeutung der Verfügbarkeit deckt.

Insgesamt muss gesagt werden, das lokale MikrobloggerInnen eine interessante, aber auch begrenzte Zusatzquelle von Informationen für AktivistInnen darstellen, die es sich jedoch lohnt reflektiert zu nutzen.

Das mobile Web!

Das Mobile Web ist da! SMS hat keine Rolle beim Mikroblogging in Dresden gespielt. Viele Menschen verfügen schon über moderne 3G-Handys (mit Internetflat?) und nutzen das mobile Web intensiv. Von den mindestens 11 aktiven Vor-Ort-MikrobloggerInnen hatten 8 iPhone, einer ein HTC Touch Dual, ein Samsung SGH i600 und ein weiter nicht bestimmtes Handy. Dabei wäre es sinnvoll die SMS-Unterstützung auszubauen, um das Medium noch mehr Menschen zu öffnen. Gerade in Aktionssituationen ist das Push-Medium SMS Pull-Medien, wie das Besuchen eines Mikroblogging-Webinterfaces überlegen.

Interessant an der Entwicklung des mobilen Web ist auch die Möglichkeit Chatsysteme wie z.B. Jabber vom Handy aus zu nutzen, welche hervorragend mit der Mikroblogging-Software Laconica zusammenarbeiten können. Hieraus könnte ein leistungsfähiges und teilweise verschlüsselbares mobiles Informationsökosystem entstehen.

Perspektive

Generell haben haben Laconica-Mikroblogs bei der Berichterstattung in Dresden keine Rolle gespielt, bis auf die beiden Account @demoscout und @aktionsnews auf mikro.mensch.coop, welche jedoch sehr gut informiert waren und so wenigsten die wesentlichen Informationen der Laconica-Welt zur Verfügung gestellt haben. Dabei ist zu hoffen, das sich Laconica als aktivistischer Standard durchsetzen wird, wobei Crossposting mit Twitter hinsichtlich der Verbreitung immer noch Sinn machen wird.

Ich glaube wenn der Aktionsnews-Account auf Indymedia bekannt gewesen wäre, wären die AbonnentInnenzahlen noch viel höher gewesen wie z.B. beim Castortransport. Was die Aktualität angeht, war diese durch die Mischung aus WAP-Ticker, coloRadio und Mikroblogs sehr gut. Es wurde auch diesmal mehrmals auf Indymedia bemerkt, das der WAP-Ticker dieses Jahr nicht so einen hohen Gebrauchswert im Gegensatz zu den letzten Jahren hatte. Das Bündnis „geh denken“, welches dieses Jahr den WAP-Ticker organisiert hat, wurde auch verschiedenste Wege vorher angefragt ob, ob sie nicht Mikroblogs in ihre Aktionskommunikation integrieren möchten. Auch wurde ihnen Hilfe bei der Einrichtung usw. angeboten, was ignoriert wurde. Mag sein, das es zeitliche Gründe waren, warum sie nicht auf die Vorschläge eingegangen sind und es soll generell ihre wichtige Arbeit auch nicht schlecht gemacht werden, doch glaube ich, das es strategisch falsch war nicht Mikroblogs in die Aktionskommunikation zu integrieren. Auch haben sie ihren Twitter-Account mit über 430 AbonnentInnen überhaupt nicht für die Aktionskommunikation genutzt – ein total verschenktes Potential, auch aus pressetechnischer Sicht!

Abschließend möchte ich noch auf das interessante Potential von Mikroblogs für Selbstorganisation hinweisen, wenn zum Beispiel eine strategisch wichtige Kommunikationsstruktur „besetzt“ ist oder in spontanen Situationen wie Katastrophen gar keine Infostrukturen vorhanden sind, ermöglichen Mikroblogs eigene dezentrale Kommunikationsstrukturen aufzubauen. Bestenfalls erlauben Mikroblogs kleineren Spektren, Demonstrationen oder auch normalen BürgerInnen, die nicht so technisch versiert sind um z.B. einen WAP-Ticker zu betreiben, eigene mobile Kommunikationsstrukturen schnell bis ad-hoc-artig aufzubauen.

mensch.coop auf dem 44. Jour Fixe am 04.02.2009 in Hamburg

February 3rd, 2009

Am Mittwoch den 04.02. nehmen wir am 44. Jour Fixe der hamburger Gewerkschaftslinken teil. Das Treffen findet um 18:30 Uhr im Curiohaus, Rothenbaumchaussee 15 (Hofdurchgang) statt. Mit dabei sind u.a. auch zwei Kollegen von dem Projekt Chef duzen. Unser Thema wir sein “Gewerkschaften und Web 2.0″: Wie können Gewerkschaften das Web2.0 nutzen, worin liegen die Chancen und die Gefahren.

Mikroblogging und soziale Bewegungen

February 3rd, 2009

Mikroblogs gehören zum immer bedeutender werdenden Digitalen Raum in dem gesellschaftliche Öffentlichkeiten und Mikroöffentlichkeiten entstehen.

1.In welchen Bereichen werden Mikroblogs von sozialen Bewegungen eingesetzt?

1.1 Konferenzen

Ein gutes Beispiel dafür wie Mikroblogs intensiv zur Koordinierung, Selbstorganisation und Vernetzung benutzt wurden ist z.B. der 25C3 des Chaos Computer Clubs. Auch bei den Barcamps spielen Mikroblogs eine wichtige Rolle. So sind sie ein wichtiger direkter Feedbackkanal, der auch später ausgewertet werden kann. Generell würden Mikroblogs als Kommunikationskanäle Sozialforen und Gegengipfelaktivitäten bereichern, jedoch werden sie derzeit wie z.B. auf dem Weltsozialforum in Belém nur recht spärlich von einigen Einzelpersonen benutzt. Ganz im Gegensatz dazu werden auf dem kapitalistischen World Economic Forum in Davos Mikroblogs sehr intensiv genutzt, insbesondere als Feedbackkanäle, zum Netzwerken und für die Öffentlichkeitsarbeit.

1.2. Citizen Journalism

Im Bereich des Citizen Journalism oder auch Bürgerjournalismus genannt gibt es verschiedene Anwendungsgebiete für Mikroblogs.

1.2.1 Direkte Berichte von vor Ort von gesellschaftlichen Ereignissen, Krisen und Revolutionen(?)

Dabei handelt es ich meist um spontane Berichterstattung vor Ort wie z.B. bei den Anschlägen von Mumbai (#mumbai) oder bei den Aufständen in Griechenland (#griots). Ein Problem das in diesem Zusammenhang auftaucht ist das der Glaubwürdigkeit der Quellen, wenn z.B. Menschen behaupten vor Ort zu sein und dies doch nicht sind. Insgesamt bereichern jedoch Mikroblogs in einem Medienmix das Bild von gesellschaftlichen Ereignissen und sind in ihrer Schnelligkeit unschlagbar.

Der Krieg in Gaza (#gaza) stellt eine Besonderheit dar, da dies wohl der erste „Social War“ gewesen ist, indem sich beide Kriegsparteien aktiv sozialer Medien bedient haben. Insgesamt verdient dieser Konflikt und seine Mikroblognutzung eine tiefergehende Betrachtung, die hier in seiner Gänze aber nicht geleistet werden kann. In einer Kriegssituation stirbt als erstes die Wahrheit bzw. das Rauschen der Propaganda versperrt oftmals einen differenzierteren Zugang zum Konflikt. Dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera gelang es im Krieg in einer technisch wie journalistisch innovativen Art und Weise Mikroblogs in seine Berichterstattung zu integrieren, indem sie die Ushahidi-Plattform genutzt haben.

1.2.2 Gegenöffentlichkeit

Viele Gegenöffentlichkeitsprojekte wie Freie Radios (Free Speech RadioRadio Corax), Indymedia Centers (Portland IMCTwin Cities IMC , IMC UK oder z.B. IMC germany) sowie auch große unabhängige Medienprojekte wie DemocracyNow nutzen Mikroblogs, um ihren Inhalte weiter zu streuen und als Feedbackkanal. Desweiteren nutzen Gegenöffentlichkeitsprojekte wie protest.net und riseup.net Mikroblogs für Support und Statusnachrichten.

Wenn soziale/selbstorganisierte Zentren auch als ein Teil der Gegenöffentlichkeit angesehen werden können, lassen sich dort zaghafte Anfänge einer Nutzung von Mikroblogs zur Schaffung von (Mikro)Gegenöffentlichkeit feststellen wie z.B. beim SubstAnZ in Osnabrück.

1.2.3 Wahlmonitoring

Im Dezember 2008 wurden in Bangladesh Mikroblogs zur Wahlbeobachtung benutzt. Dies war ein großer Schritt und hatte positive Effekte auf die Transparenz in einem Land, das 2005 laut Transparency International das korrupteste Land der Welt war und die letzten zwei Jahre von einer (militärischen) Übergangsregierung geführt wurde. In den USA überwachten BürgerInnen die letzte Präsidentenwahl mit Hilfe von Mikroblogs und dem Projekt Twitter Vote Report. Der Chaos Computer Club nutze ein Mikroblog für die Wahlcomputerbeobachtung in Brandenburg zur Kommunalwahl im Jahr 2008.

1.3. Aktionstool

1.3.1 Mobilisierung

Beim Generalstreik in Ägypten im April 2008 spielten Mikroblogs für die Mobilisierung eine wichtige Rolle. Die Gruppe Labourstart benutzt Mikroblogs zur Unterstützung von Solidaritätskampagnen für gefährdete GewerkschaftsaktivistInnen und Streiks. Die antifaschistische Initiative geh-denken nutzt Mikroblogs für die Mobilisierung zu den Gegenaktivitäten von Europas größten Naziaufmarsch am 13.-14.02.2009 in Dresden. Außerdem benutzt die Kampagne „Atomausstieg selber machen“ der deutschen Umweltverbände ebenfalls einen Mikroblog.

1.3.2 Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Beim Klima-/Antiracamp in Hamburg wurde der Open-Source-Mikroblogging-Dienst identi.ca im kleinen Rahmen benutzt, um Presseinformationen zu veröffentlichen. Der DGB und die IGM BaWü nutzen auch seit kurzem Mikroblogs für Öffentlichkeitsarbeit.

1.3.3 Koordinierung und Selbstorganisation von Protesten und direkten Aktionen

Bei politischen Großveranstaltungen wie den Protesten gegen die Republican National Convention (RNC) im September 2008 in Minneapolis/USA wurde Twitter intensiv genutzt. Es wurden die Accounts protestrnc2008 (Informationen über die Protestorganisation und Vorbereitungstreffen), rnc08_police (Informationen über die Polizei), RNC08_medic (Informationen von den Demosanitätern) und rnc08_legal (Informationen vom Legal-Team) eingerichtet. Darüber wurden schnell und gezielt die Leute informiert, die diese Infokanäle abonniert hatten.

Beim größten Klimacamp in England wurde Twitter als schneller Infoticker benutzt.

In Deutschland wurden Mikroblogs das erste Mal als ergänzender Infoticker von Radio FSK bei den Gegenaktivitäten zum 1.Mai-Naziaufmarsch in Hamburg 2008 verwendet. Daraus entstand auch eine interessante Debatte zum Thema „Twitter für Demonstrationen?” über den Einsatz von Mikroblogs auf netzpolitik.org. Im Rahmen der antimilitaristischen Gelöbnix-Kampagne wurde für die Aktionen am 20.07.2008 gegen das erste Bundeswehrgelöbnis vor dem Reichstag nach dem Krieg ein offener Mikroblog benutzt. Die Besonderheit war, das auf dem Mikroblog das Login und das Passwort öffentlich gepostet war und aus Datenschutzgründen empfohlen wurde diesen Account nicht zu abonnieren, sondern lediglich den RSS-Feed zu konsumieren.

Der erste Einsatz von Mirkoblogging im größeren Stil für politische Aktionen in Deutschland war der Castortransport im November 2008. Das besondere war, das verschiedene Mikroblogs nicht nur als Infoticker fungierten, sondern das mindestens sechs MikrobloggerInnen direkt vor Ort waren und ihre dezentral gewonnen Erkenntnisse gepostet haben. Diese Informationen wurden zusammen mit Informationen aus dem SMS-Ticker der BI und dem Radio Freies Wendland zu einen schnellen Infoticker zusammenschmolzen, der an Aktualität und Schnelligkeit alle übertraf. Hier zeigte sich das wirklich Potential von Mikroblogs, das Crowdsourcing von Informationen. Mikroblogs sind halt mehr als nur Empfänger von Kurznachrichten. Sie sind auch Sender!

Gleichzeitig hatten wir von mensch.coop während des Castortransports die erste Testphase unseres Mikrobloggingdienstes mikro.mensch.coop, auf dem ausführlich über den Castortransport berichtet wurde und die Informationen so der Open-Micro-Blogging-Welt zur Verfügung stellt wurden.

1.3.4 Monitoring von AktivistInnen

(Mikro-)Öffentlichkeiten können für verschiedenste AktivistInnen auch ein Schutz sein. Ein gutes Beispiel hierfür ist der bekannt gewordene Fall des ägyptischen Aktivisten Alaa. Er informiert seine AbonnentInnen auf seinem Mikroblog während Demonstrationen, Aktionen usw. ob er Ok ist oder der Repression zu Opfer gefallen ist. Es sind weitere Fälle bekannt geworden, wo JournalistInnen und AktivistInnen erfolgreich Mikroöffentlichkeiten ihrer Mikroblogs als Schutz genutzt haben, um im Erstfall öffentliche Unterstützungsaktionen einzuleiten. Diese Art des positiven Monitoring von AktivistInnen könnte auch in Deutschland z.B. von Abschiebung bedrohten FlüchlingsaktivistInnen sehr nützlich sein.

2. Die Logik(en) von Mikroblogging

Um dem neuen Medium Mikroblog als Kommunikationsform gerecht zu werden ist es als erstes notwendig zu sehen, das es nicht eine Logik der Anwendung gibt, sondern viele Arten dieses extrem schnelle und flexible Medium zu verwenden.

Trotzdem lassen sich gewisse Tendenzen und Eigenarten herauskristallisieren, auf welche ich nun kurz zum tieferen Verständnis eingehen möchte.

So wird in der Studie Social Networks that Matter: Twitter Under the Miscroscope” von Bernardo A. Huberman, Daniel M. Romero und Fang Wu der Mikrobloggingdienst Twitter untersucht. Die Autoren resümieren, dass die User von Mikroblogs in ihren Netzwerk nur eine geringe Anzahl an Freunden bzw. engen Kontakten haben verglichen mit den Zahl ihrer AbonnentInnen und postulieren:

“This implies the existence of two different networks: a very dense one made up of followers and followees, and a sparser and simpler network of actual friends. The latter proves to be a more influential network in driving Twitter usage since users with many actual friends tend to post more updates than users with few actual friends. On the other hand, users with many followers or followees post updates more infrequently than those with few followers or followees.”

arXive Twitter6

Dies bedeutet, das die Stärke von Mikroblogs in ihren schwachen Bindungen liegt! Einfacher ausgedrückt hat es Web2.0-Guru @timoreilly in seinem Mikroblog: “Facebook is about people you used to know; Twitter is about people you’d like to know better.”

Ein theoretisches Modell hierfür hat schon 1973 der amerikanischen Soziologen Mark Granovetter in seinem Aufsatz „The Strengh of Weak Ties“ dargelegt. Dazu der Medienwissenschaftler Norbert Bolz: „Diffusion wird also nicht durch „strong ties“, sondern durch „weak ties“ gesteigert. Starke Bindungen tendieren zur Cliquenbildung; ihnen fehlen die Strukturlücken, durch die Neues einfließen könnte. „Weak ties“ machen neue Informationen zugänglich; „strong ties“ verkapseln uns im Vertrauten (Bolz: Das ABC der Medien S. 134). Thomas Pfeiffer hat übrigens die These von Granovetter anhand des Twitter-Netzwerks empirisch überprüft. Ein Abstract dazu gibt es hier.

2.1 Die Logiken von Mikroblogging innerhalb sozialer Bewegungen

Innerhalb von sozialen Bewegungen steht jedoch nicht nur die Gewinnung von neuen Informationen aus einem größeren losen Netzwerk im Vordergrund. Es gibt verschiedene Logiken bezüglich der Anwendungen bzw. der EmpfängerInnen. Manchmal möchten AktivistInnen nur schnell und gezielt eine Mikroöffentlichkeit von anderen AktivistInnen erreichen, also sind starke Bindungen durchaus relevant und deren Anonymität ist wichtig, um Repression abzuwehren. Das Prinzip der Transparenz läuft dem Schutz von AktivistInnen vor den datenhungrigen Staaten mit ihren Verfolgungsbehörden sowie Unternehmen zu wieder. Andererseits ist im Falle von Pressearbeit eine möglichst weite Verbreitung der Informationen gewünscht. Die Diffusion von Informationen ist ebenfalls bei der Mobilisierung von Kampagnen relevant.

Dies zeigt wie nötig es ist differenziert mit Mikroblogs umzugehen, und anwendungsbezogene Lösungen zu schaffen. Eine Möglichkeit wäre es z.B. Mikrobloggingserver für permanete, rein öffentlichkeitsbezogene Nutzungen aufzusetzen und zu betreiben wie z.B. mikro.mensch.coop und für gezielte Kampagnen temporär Mikrobloggingserver mit der Möglichkeit anonymer Accounts zu betreiben. Eine Weiterentwicklung der Open-Source-Mikroblogging-Plattform laconi.ca, so das diese auch über Privatfunktionen verfügt wie z.B. das sich AbonnentInnen unsichtbar machen können, wäre aus der Sicht  sozialer Bewegungen und JournalistInnen mittelfristig sinnvoll.

Was die Logik im Bereich des Bürgerjournalismus angeht, gibt es dort nach dem indischen Social-Media-Experten Gaurav Mishra zwei gegensätzliche Ansätze, einmal die Ortsbezogenheit (location) und die Verfügbarkeit (ubiquity). In seinem sehr lesenswerten Blogartikel über Which is a Better Mobile Citizen Reporting Tool: Twitter or Ushahidi? stellt der die beiden Ansätze gegenüber:

„Ushahidi co-founder Erik Hersman points to his “pothole theory of digital activism” (we only care about a pothole if it’s on our street) and argues that location is the key in mobile crisis reporting, because location makes crisis information relevant to us.

As a counter-point, I would like to point to Ethan Zuckerman’s “cute cat theory of digital activism” (most of us accidentally stumble upon activism while we upload pictures of cute cats on the internet) and argue that ubiquity is the key in mobile crisis reporting, as people tend to use the same service for finding entertainment and engaging in citizen reporting.“

Darüber hinaus ist es aus der Sicht von Sozialen Bewegungen sinnvoll, folgende Analyse von Gaurav Mishra generell bei strategischen Überlegungen zu berücksichtigen:

In any case, crisis reporting will always follow the 1:9:90 rule, with a small minority using dedicated citizen reporting platforms and a large majority using multi-purpose communications platforms.“

2.2 First Publish, then Filter!

Was teilweise in (deutschsprachigen) aktivistischen Kreisen noch nicht richtig verstanden wurde, ist der Paradimenwechsel des Web2.0, der hinter den Mikroblogs steht. So sind Mikroblogs nicht nur eine neue Art dezentral bzw. mobil Informationen zu empfangen, was ja auch mit WAP-Tickern oder RSS-Feeds möglich ist, sondern es kann mit Mikroblogs ebenfalls dezentral an viele gesendet werden. Dies kann gravierende Auswirkungen haben. Durch diese Möglichkeit kann lokales Wissen z.B. über Blockaden, Übergriffe, Nazis etc. schneller direkt an viele Menschen weitergegeben werden, was bei Aktionen einen entscheidenden Zeitvorteil bringen kann.

Derzeit sind Mikroblogs noch kein Mainstreammedium, weswegen das Rauschen durch zu viele (Stör-)Sender bei Aktionen wie z.B. dem Castortransport noch sehr gering ist. Dabei zeigt sich die Potenz des Mediums, das eine geringe Anzahl von dezentral arbeitenden MikrobloggerInnen wesentlich zur Erhellung der allgemeinen Informationslage beitragen kann. Bei geplanten Kampagnen kann schon vorher ein vertrauenswürdiges Korrespondentennetz mit MikrobloggerInnen aufgebaut werden. Je mehr Menschen mikrobloggen bzw. wenn zuverlässige Quellen in Form von bekannten MikrobloggerInnen nicht vorhanden sind ist es um so wichtiger Informationen zu filtern bzw. sie zu aggregieren und zu überprüfen. Dafür ist z.B. die Ushahidi-Software geeignet, die z.B. während des Kriegs in Gaza eingesetzt wurde, aber auch bei gewaltätigen Übergriffen in Kenia, Kongo und Südafrika, um Informationen zu sammeln und auszuwerten. So kann das Croudsourcing-Potential von Mikroblogs genutzt und trotzdem verantwortungsbewußt mit den Informationen umgegangen werden bei denen die Quelle nicht gesichert ist.

3. Perspektive

Derzeit herrscht gerade im deutschsprachigen Raum bei der mobilen Aktionskommunikation noch Web 1.0 vor. Der WAP-Ticker! So zum Beispiel bei der großen antirassistischen Mobilisierung in Köln 2008 gegen ProKöln oder die die antifaschistische Mobilisierung gegen das „Fest der Völker“ in Jena. Das Crowdsourcing-Potential von Mikroblogs bleibt bei Großveranstaltungen meist noch ungenutzt.

Ebenso wird das Potential von Mikroblogging derzeit von der globalisierungskritischen Bewegung bzw. der Global Justice Bewegung noch gar nicht genutzt. Dies ist sehr schade.

Auch bei den Gewerkschaften sind derzeit nur spröde Ansätze zum Nutzen von Mikroblogs zu erkennen, wobei es jedoch eine Fülle von Anwendungsmöglichkeiten geben würde wie z.B. die Vermittlung von Streiks, Organisierung von Unterstützung etc.

Ebenso sind in der antirassistischen Bewegung, bis auf den Ticker beim Klima-/Antiracamp 2008 in Hamburg, bis jetzt keine Ansätze von Mikroblognutzung zu finden. Ein Schlüssel für Integration von interessanten NutzerInnen-Gruppen wie z.B. MigrantInnen und Flüchtlinge ist ein guter SMS-Support.

In der Anti-AKW- und Klimabewegung gibt es einiges an Bewegung. Junge AktivistInnen und NGO’s wie Greenpeace nutzen dieses neue Medium aktiv. Ähnlich sieht es in der Gender-/Feministischen Bewegung aus. Dort gibt es im deutschsprachigen Raum einige thematische Mikroblogs und insbesondere in den USA eine starke Bewegung im Bereich der Rechte für LGBTQ.

Bleibt abzuwarten wie Mikroblogs bei den großen Mobilisierungen dieses Jahres genutzt werden wie z.B. den Gegenaktivitiäten zum größten Nazisaufmarsch Europas in Dresden am 13.-14.02., den antimilitaristischen Aktivitäten der No-Nato-Kampagne in Strassbourg Anfang April, den Aktivitäten zum G8-Gipfel in Italien im Juli sowie die Gegenmobilisierung zur Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember.

Was generell fehlt ist sinnvolle (Offline)-Literatur, gute Broschüren und ein gutes Wiki zu Medienkompetenz und Mikroblogging für soziale Bewegungen. Die Entwicklung ist halt noch recht neu. Zentral wir außerdem die Herausbildung einer Policy für verantwortungsbewußte Nutzung von Mikroblog innerhalb von sozialen Bewegungen sein, wie sie sich auch für die Nutzung von Indymedia entwickelt hat, damit Mikroblogs breiter genutzt werden können.

Welche Plattform sich für Mikroblogging für soziale Bewegungen am Besten eignet, erfordert auf jeden Fall tiefergehende Analysen, die in diesem Artikel im vollen Umfang jetzt nicht geleistet werden kann. Dies hängt bestimmt auch von der Logik und dem Zweck der Nutzung ab. Jedoch möchte ich hier nicht meinen Favoriten verheimlichen. Gerade für soziale Bewegungen ist informationelle Selbstbestimmung so wichtig wie die Luft zum atmen. Deshalb spreche ich mich hier für die Open-Source-Software Laconi.ca aus und gegen den kommerziellen Mikroblogging-Dienst Twitter. Twitter, der mit Abstand größte Mikrobloggingdienst mit den meisten NutzerInnenzahlen, ist vollgesogen mit Venture-Kapital, das auf seine Verzinsung wartet und die zukünftigen Geschäftsmodelle könnten den Interessen der sozialen Bewegungen zu wieder laufen. Außerdem ist Twitter closed-source und unterstützt derzeit nicht den OpenMicroBlogging-Standard. Seit dem Twitter die kostenlose SMS-Unterstützung außerhalb der USA, Kanada und Indien eingestellt hat ist die soziale Relevanz von Twitter für verschiedenste Länder zurückgegangen wie z.B. hier und hier beschrieben wird.

Ich glaube das Laconi.ca nachhaltiger ist, und es sich lohnt in Initiativen zu investieren, die von den Bewegungen und Menschen kontrolliert werden können.

Einführung in digitalen Aktivismus

December 2nd, 2008

Hier gibt es ein gutes Einführungsvideo mit dem Titel “The New Change-Makers: An Introduction to Digital Activism” vom Berkman Center for Internet & Society der Haward Universität.

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Ich finde das Video als Einführung gelungen und es gibt gut den Spirit wieder, der notwendig ist, wenn etwas verändert werden soll, nämlich den Mut zu handeln. Natürlich beginnt dies im Kleinen und auch dies finde ich gut vermittelt, nämlich das digitaler Aktivismus nicht viel Geld und große Organisationen benötigt. Kritisch anzumerken bleibt, das gar nicht auf Gefahren, Sicherheitsaspekte oder die notwendige Medienkompetenz eingegangen wird, über die immer noch sehr viele insbesondere ältere Menschen nicht verfügen.  Ebenso lauern Gefahren bei großen kommerziellen Dienstleistern mit propietärer Software, bei dem die Menschen eine Art “Datenprostitution” begehen, indem diese “kostenlosen” Dienste nutzen und dabei gleichzeit auf ihre informationelle Selbstbestimmung (unbewußt) verzichten. Dies kann nicht nur in repressiven Staaten wie China, Iran oder Ägypten ein Problem werden. Welche kritischen Erfahrungen AktivistInnen mit diesen kommerziellen Dienstleistern gemacht haben, beschreiben politische Blogger aus Ägypten in dem sehr lesenswerten Arktikel Does social networking media curb activism?.

Mikroblogging-Service von mensch.coop in Testphase

November 10th, 2008

Zum Castortransport hat die Genossenschaft einen Open-Source-Mikroblogging-Dienst unter http://mikro.mensch.coop eingerichtet. Am Besten ist dieser über den Spiegelserver zu erreichen! Der Service ist noch in der Testphase und nicht perfekt, aber so können auf Nachrichten in die Open-Source-Mikrobloggingwelt wandern. Ziel ist es eine Kommunikation zu schaffen, die unabhängiger von kommerziellen Anbietern ist und offene Standards zu fördern.

Konferenz “Social Web - Towards Networkes Protest Politics?”

November 9th, 2008

An der Universität Siegen fand am 07.11. und 08.11. 2008 die Konferenz “Social Web - Towards Networkes Protest Politics?” statt. Ein Mitglied unserer Genossenschaft hat an der Konferenz teilgenommen und diese umfassend auf Video dokumentiert. Die verschiedenen Panels werden hier als Video bzw. Audiopodcast Stück für Stück veröffentlicht. Ebenso wird die Konferenzdokumentation über die Universität Siegen gesteamt werden.

Insgesamt war die Konferenz gelungen und eine interessante Zusammenstellung von Themen und ReferentInnen.  Aus der Sicht von Sozialen Bewegungen ist es auf jeden Fall bereichernd sich mit diesen wissenschaftlichen Diskursen zu beschäftigen, um so die eigene (Medien-)Praxis zu reflektieren und diese letztendlich weiterentwickeln zu können.

Eintragung der Genossenschaft

November 9th, 2008

Endlich ist unsere am 04.04.2008 gegründete Genossenschaft auch im Genossenschaftsregister eingetragen, nachdem wir von Zentralverband der deutschen Konsumgenossenschaften (ZdK) und dem Prüfungsverband Genossenschaftsverband Norddeutschland (GVN) nach einen Prüfungsgutachten aufgenommen worden waren.

Der Prozess von der Gründung bis zur Eintragung hat genau 7 Monate gedauert. Eine kleine Auswertung dieses Prozesses folgt hier zu einem späteren Zeitpunkt.

Workshops auf den Perspektiventagen in Hamburg

October 2nd, 2008

Vom 02.-05.10.2008 finden die Perspektiventage in Hamburg statt. Wir sind dabei! Am Freitag den 03.10. machen wir um 11:15 Uhr den Workshop mit dem Thema :

Das Social Web und soziale Emanzipation

Blogs, Wikis und Social Networks wie facebook oder myspace werden von immer Menschen genutzt und bekommen dadurch eine immer größer gesellschaftliche Relevanz. Dieser Workshop möchte darüber informieren und diskutieren wie das Potential des sogenannten Web 2.0 bzw. des Social Web für gesellschaftliche Emanzipation genutzt werden kann und wo die Beschränkungen und Gefahren liegen. Es wird auf den Paradigmenwechsel eingegangen, welcher Social Software in Bezug auf das Empowerments des Users bzw. Userin verursacht hat und perspektivische Möglichkeiten aufgezeigt, wie Social Software für ein selbstbestimmteres Leben und gesellschaftliche Intervention benutzt werden kann.

Der zweite Workshop findet am Samstag den 04.10. von 10:00 Uhr bis 11:30 Uhr statt und lautet:

Mikroblogs als Aktionstools und Mobilaktivismus

Schon mal etwas von Twitter oder identi.ca gehört? Dieser Workshop möchte kurz vorstellen was sogenannte Mikroblogs sind, um anschließend über die Möglichkeiten und Begrenzungen von Mikroblogs als Aktionstools für soziale Bewegungen informieren und plädiert für eine selbstbewußte Aneignung dieser Technologie. Nahtlos soll daran das Phänomen des Mobilaktivismus vorgestellt werden, bei dem Menschen Handys, SMS und andere mobile Anwendungen für gesellschaftliche Intervention und Veränderung nutzen.

Könnte spannend werden! ;)